Sonntag, 16. August 2020, 09:30 Uhr

Synagoge München

Predigttext: Römerbrief 11,25-32

Die Namen der Sonntage des Kirchenjahres beziehen sich meist auf einen typischen Aspekt des Gottesdienstes an diesem Tage. Nur die Sonntage „nach Trinitatis“ (dem Dreifaltigkeits-Sonntag nach Pfingsten) bekommen einfach Nummern verpasst. In diesem Jahr bis zum „21. Sonntag nach Trinitatis“ am 1. November 2020. Nur ein Sonntag durchbricht diese Monotonie: Der 10. Sonntag nach Trinitatis, der sog. Israelsonntag, heute 16. August 2020. Es ist der einzige Sonntag im Kirchenjahr, für den das Gottesdienstbuch kirchlicher Lesungen zwei Themen nennt: „Kirche und Israel“ oder „Gedenktag der Zerstörung Jerusalems“.

Letzteres erklärt, dass der Israelsonntag mitten im Sommer in Beziehung zu einem wichtigen jüdischen Gedenktag in dieser Zeit steht. Immer am „9. Tag des Monats Av“ (2019 am 11. August) gedenkt das Judentum in Trauer der Zerstörungen Jerusalems sowie der damit verbundenen Leiden und Vertreibungen.

Mit der Nähe zum jüdischen Kalender christlicherseits diese Trauer zu teilen, war jedoch lange nicht naheliegend – im Gegenteil. Der Israelsonntag diente in theologischer Verblendung dazu, eine vermeintlich Überlegenheit der Kirche über Israel zu zelebrieren. Erst nach der Schoah, dem Holocaust, begann langsam ein Umdenken. Der Sinn des Israelsonntags war nun, sich bewusst zu werden: „Nicht du trägst die Wurzel, sondern die Wurzel trägt dich.“ (Röm 11,18). Eine Kirche, die dieses „Geheimnis“ vergisst (Röm 11,25), kann vieles sein, aber nicht mehr Kirche Jesu Christi, denn der ist nun mal ein geborener Jude.

Mitwirkende
Pfarrer Martins
Ort Kirche Zum Guten Hirten Berlin-Friedenau, Friedrich-Wilhelm-Platz, 12161 Berlin